Kaum eine Gepäckregel wird so oft gegoogelt wie die von Ryanair, und kaum eine hat sich zuletzt so relevant geändert. Seit dem 04.09.2025 ist die kostenlose Tasche größer als früher. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Alles, was über diese eine Tasche hinausgeht, kostet, und am Gate wird ohne Diskussion gemessen.
Die Kosten zuerst: was ohne Zubuchung passiert
Wer nur ein Basic-Ticket hat und mit Trolley am Gate erscheint, hat zwei Möglichkeiten, beide unangenehm. Laut den Ryanair-Bestimmungen in der Fassung gültig ab 25.06.2026 wird eine Tasche, die nicht in den Gepäckmessrahmen passt, am Flugsteig abgelehnt oder nach Verfügbarkeit gegen Gebühr in den Frachtraum verladen. Diese Gebühr beziffert Ryanair inzwischen offiziell mit 70,00 bis 75,00 Euro. Die oft zitierten 69,99 Euro sind damit überholt. Als Alternative nennt Ryanair ein am Schalter oder Flugsteig gekauftes 10-kg-Aufgabegepäckstück für 46,00 bis 60,00 Euro (Stand: 27.08.2026, Quelle: Ryanair-Gebührenübersicht und Ryanair-AGB).
Planbar ist das Risiko trotzdem, denn die Regeln selbst sind glasklar.
Die schnelle Übersicht
| Gepäckstück | Maße | Gewicht | Kostet extra? |
|---|---|---|---|
| Kleine Tasche (unter den Vordersitz) | 40 x 30 x 20 cm | kein Limit angegeben | Nein, in jedem Tarif dabei |
| Trolley (Overhead-Fach) | 55 x 40 x 20 cm | 10 kg | Ja, nur mit “Priority & 2 Cabin Bags” |
Stand: 27.08.2026, Quelle: Ryanair Help Centre (Bag Policy).
Die eigentliche Story: seit dem 04.09.2025 ist die Gratis-Tasche größer
Ryanair hat zum 04.09.2025 an allen Flughäfen größere Gepäckmessrahmen eingeführt. Die kostenlose kleine Tasche darf seitdem 40 x 30 x 20 cm messen statt vorher 40 x 20 x 25 cm. Laut der offiziellen Pressemitteilung ist das neue Maß 33 Prozent größer als der EU-Vorschlag für einen Standard (40 x 30 x 15 cm), ausgerollt wurde die Änderung an 235 europäischen Flughäfen (Stand: 27.08.2026, Quelle: Ryanair-Pressemitteilung vom September 2025).
Praktisch heißt das: Viele kompakte Rucksäcke, die früher knapp durchfielen, passen jetzt offiziell. Ein Gewichtslimit für die kleine Tasche nennt Ryanair nicht, sie muss aber unter den Vordersitz passen, nicht ins Overhead-Fach. Wer seinen alten “Ryanair-Rucksack” nach dem Maß 40 x 20 x 25 gekauft hat, sollte kurz nachmessen: Das neue Format ist anders geschnitten, flacher und breiter.
Priority & 2 Cabin Bags: was du bekommst und was es kostet
Der einzige offizielle Weg, einen Trolley mit in die Kabine zu nehmen, ist die Option “Priority & 2 Cabin Bags”. Sie umfasst die kleine Tasche plus einen Trolley mit maximal 55 x 40 x 20 cm und 10 kg fürs Overhead-Fach, dazu Priority Boarding (Stand: 27.08.2026, Quelle: Ryanair Help Centre).
Beim Preis gibt es inzwischen offizielle Zahlen: Die Gebührentabelle nennt 12,49 bis 36,00 Euro, wenn du die Option direkt bei der Buchung auf ryanair.com mitnimmst, und 19,99 bis 45,50 Euro, wenn du sie nachträglich oder am Flughafen dazukaufst. Wo innerhalb dieser Spanne dein Flug landet, hängt von Strecke und Nachfrage ab, verlass dich deshalb auf den Betrag, den dir dein konkreter Buchungsprozess anzeigt, nicht auf Zahlen aus Blogs. Zwei Dinge sind dabei sicher: Früh buchen ist deutlich günstiger als nachträglich hinzufügen, und die Option kann ausverkauft sein, weil Ryanair die Zahl der Trolleys pro Flug begrenzt. Ist Priority weg, bleibt als offizielle Alternative die 10-kg-Check-in-Tasche für 46,00 bis 60,00 Euro, die du vor der Sicherheitskontrolle am Schalter abgibst (Stand: 27.08.2026, Quelle: Ryanair-Gebührenübersicht).
Für wen sich Priority nicht lohnt: Wer mit der Packliste ehrlich aussortiert, bekommt einen Wochenendtrip in 40 x 30 x 20 cm unter. Dann ist Priority nur bezahltes Vordrängeln.
Und die EU-Reform? Der kostenlose Trolley kommt nicht
Weil danach gerade viel gefragt wird: Die Reform der EU-Fluggastrechte wurde am 13.07.2026 vom Rat endgültig beschlossen. Ein verpflichtend kostenloser Trolley bis 7 kg ist darin nicht enthalten. Das war die Position des EU-Parlaments vom Januar 2026, im Trilog wurde sie gestrichen. Garantiert kostenlos bleibt allein der persönliche Gegenstand, bei Ryanair also die kleine Tasche.
Neu ist stattdessen eine Preistransparenzpflicht: Flugpreise inklusive Handgepäck-Freimenge müssen vor Beginn des Buchungsvorgangs angezeigt werden. Die EU-Kommission stellt ausdrücklich klar, dass die Airlines ihre Preisstruktur weiterhin selbst festlegen. Anwendbar werden die Regeln rund 12 Monate und 20 Tage nach der Veröffentlichung im Amtsblatt, ob diese Veröffentlichung erfolgt ist, konnten wir am 27.08.2026 nicht bestätigen. Für deinen nächsten Flug ändert sich also nichts: Der Trolley kostet weiterhin extra (Stand: 27.08.2026).
Am Gate: so übersteht deine Tasche den Messrahmen
Der Messrahmen ist bei Ryanair keine Deko, sondern das einzige Kriterium. Seit der Umstellung 2025 stehen an allen Flughäfen die größeren Rahmen, gemessen wird das komplette Gepäckstück inklusive Rollen, Griffen und vollgestopften Außentaschen. Fünf Dinge, die in der Praxis den Unterschied machen:
- Miss zu Hause nach, mit Maßband und im gepackten Zustand. Herstellerangaben lassen Rollen und Griffe gern weg.
- Weiche Taschen und Rucksäcke sind gutmütiger als Hartschalen: Sie lassen sich in den Rahmen drücken, ein starrer Koffer mit 21 cm Tiefe nicht.
- Außentaschen leeren oder flach packen. Eine gefüllte Fronttasche macht aus 20 cm Tiefe schnell 24.
- Jacke anziehen statt einpacken, schwere Dinge in die Jackentaschen. Die Jacke misst niemand.
- Wenn es knapp wird: vor dem Gate umpacken, nicht am Rahmen diskutieren. Die Endentscheidung liegt beim Personal, und die Schlange hinter dir macht die Sache nicht besser.
Die Tasche muss ohne Gewalt in den Rahmen gleiten. “Passt mit Anlauf” zählt am Gate als “passt nicht”.
Was sonst noch ins Handgepäck darf
Die Maße sind bei Ryanair die halbe Miete, der Inhalt die andere: Flüssigkeiten, Powerbank, Feuerzeug und Co. regeln nicht die Airline allein, sondern EU-Sicherheitsrecht und Gefahrgutregeln. Den Überblick gibt unser Hub Was darf ins Handgepäck, die Antwort für deine konkrete Kombination aus Airline und Gegenstand liefert der Gepäck-Checker.
Für wen diese Anleitung nicht reicht
Wer mit Sperrgepäck, Musikinstrument oder medizinischem Gerät fliegt, findet in der Bag Policy Sonderregeln, die dieser Artikel nicht abdeckt. Und wer auf einer Strecke mit knapper Priority-Verfügbarkeit unbedingt einen Trolley in der Kabine braucht, etwa wegen Fotoausrüstung, sollte die Option direkt bei der Flugbuchung mitnehmen statt später: Nachrüsten ist teurer und manchmal unmöglich.