Die Fähre von Italien nach Griechenland ist der klassische Weg für alle, die mit dem eigenen Auto oder Camper anreisen. Vier Häfen, mehrere Reedereien, große Preisunterschiede: Hier sind die realen Anhaltspunkte, jede Zahl mit Quelle und Stand 27.08.2026. Ehrlich vorweg: Superfast und ANEK veröffentlichen keine Preistabelle, ihre Preise entstehen erst in der Buchungsmaschine. Die einzige Reederei mit öffentlicher Tariftabelle ist Ventouris. Alle anderen Preisangaben hier stammen aus Buchungsportalen, nicht von den Reedereien selbst. Zuerst das, was in den Hochglanzbildern von Sonnendeck und Meer fehlt.
Wichtig für 2026: Camping on Board gibt es praktisch nicht mehr. Die beliebte Option, im eigenen Wohnmobil an Deck zu übernachten statt eine Kabine zu buchen, führen ANEK und Superfast nicht mehr; auf superfast.com taucht sie nirgends mehr auf. Grimaldi und Minoan führen ihr Paket „Camping all inclusive” auf der eigenen Seite ausdrücklich als vorübergehend ausgesetzt. Wer mit Camper reist, sollte also mit Kabinen- oder Deckpreisen kalkulieren. Ehrlich dazu: Ein Dementi direkt von der Reederei haben wir nicht gefunden, der Beleg ist das Verschwinden des Produkts von den offiziellen Seiten plus die Aussage eines Vertriebspartners (Stand: 27.08.2026).
Zuerst die Nachteile: lange Nächte, teure Kabinen, volle Sommer
Die beliebte Nordroute ist eine Nacht auf See und mehr. Ancona nach Patras dauert grob 21 bis 26 Stunden, Venedig nach Patras sogar 31 bis 34,5 Stunden (Quelle: Ferryhopper, von uns im Juli 2026 geprüft). Wer da nur ein Deck-Ticket bucht, verbringt die Nacht im Sessel oder auf dem Außendeck. Eine Kabine kostet extra und ist im Sommer schnell ausverkauft.
Der zweite Punkt ist die Saison. Im Juli und August, wenn halb Europa mit dem Auto Richtung Griechenland rollt, sind gerade die Autostellplätze und Kabinen zuerst weg. Wer spät bucht, zahlt mehr oder findet für sein Wunschdatum gar keinen Platz mehr fürs Fahrzeug. Und Check-in ist Pflicht: Die Reedereien verlangen, dass du bis 120 Minuten vor Abfahrt am Hafen bist (Quelle: Direct Ferries, von uns im Juli 2026 geprüft).
Die vier Häfen und ihre Routen
Grob gilt: je weiter südlich der italienische Hafen, desto kürzer die Überfahrt. Ancona und Venedig liegen im Norden und sind bequem aus Deutschland erreichbar, kosten dafür aber viele Stunden auf See. Bari und Brindisi im Süden bedeuten eine lange Autofahrt durch Italien, dafür eine kurze Fähre.
| Ab Hafen | Ziel in Griechenland | Fahrzeit (grob) | Reedereien |
|---|---|---|---|
| Ancona | Patras (Stopp Igoumenitsa) | 21 bis 26 Std. | Superfast/ANEK, Minoan |
| Venedig | Patras (Stopp Igoumenitsa) | 31 bis 34,5 Std. | Superfast |
| Bari | Igoumenitsa | 9 bis 12 Std. | Superfast/ANEK, Grimaldi |
| Brindisi | Igoumenitsa | ca. 9 Std. | Grimaldi |
| Brindisi | Korfu (nur Sommer) | ca. 16,5 Std. | Grimaldi |
Igoumenitsa ist das Tor zum griechischen Festland und nach Epirus, Patras liegt näher an Athen und dem Peloponnes. Korfu erreichst du im Sommer direkt ab Brindisi, sonst als Zwischenstopp mancher Linien. Die Reederei-Landschaft hat sich geändert: Superfast (Attica Group) fährt die Adria-Linien inzwischen allein, ANEK Lines betreibt keine eigene Italien-Griechenland-Linie mehr und verweist dafür auf Superfast. Minoan Lines fährt die Adria ebenfalls nicht mehr selbst, sondern nur noch als Vertriebspartner für Grimaldi. Dazu kommt Ventouris Ferries ab Bari. Ancona bedient bis zu 6 Abfahrten pro Woche, Bari bis zu 2 pro Tag, Venedig dagegen nur 2 bis 3 mal pro Woche (Quellen: Direct Ferries, faehren.net, Ferryhopper, von uns im Juli 2026 geprüft).
Deck-Ticket, Sessel oder Kabine
Auf den kurzen Verbindungen ab Bari und Brindisi, die tagsüber grob 9 bis 12 Stunden dauern, reicht ein einfaches Deck- oder Sesselticket völlig. Du sitzt an Bord, es gibt Restaurants, Cafés und Außendecks, das war es.
Anders auf den Nachtfahrten ab Ancona und Venedig. Wer dort 21 bis 34 Stunden unterwegs ist, sollte die Kabine einplanen. Als Anhaltspunkt: Eine geteilte Kabinenkoje liegt bei grob 155 Euro, eine private Innen- oder Außenkabine ab rund 290 Euro (Quelle: Ferryhopper, von uns im Juli 2026 geprüft). Das billige Deck-Ticket spart zwar Geld, kostet dich aber eine durchwachte Nacht. Für wen die Kabine nichts ist: Wer jung, kurz vor knapp gebucht und im Budget-Modus reist, kommt eine Nacht auch im Reclining Seat durch, zwei Nächte hintereinander werden zäh.
Mit Auto: was es wirklich kostet
Der Autozuschlag ist der größte Posten. Auf Ancona nach Patras beginnt allein das Fahrzeug bei rund 160 Euro, dazu kommt das Ticket pro Person. Ein konkretes Beispiel des Portals für zwei Erwachsene mit Auto lag bei etwa 322 Euro für die einfache Fahrt (Quelle: Ferryhopper, von uns im Juli 2026 geprüft). Als Fußpassagier ohne Auto geht Ancona nach Patras ab grob 100 bis 115 Euro los, Venedig nach Patras ab rund 103 Euro (Quelle: Ferryhopper, von uns im Juli 2026 geprüft). Am günstigsten reist ohne Auto, wer ab Bari fährt: dort ab rund 34 Euro als Fußpassagier (Stand: 27.08.2026, Quelle: Omio).
Ein Camper oder Wohnmobil kostet deutlich mehr als ein Pkw, weil die Reedereien nach Fahrzeuglänge abrechnen. Wer mit dem Van an die Adria oder weiter fährt, plant das ein, mehr dazu im Guide zum Camping in Italien am Meer.
Wann buchen und für wen welche Route passt
Für den Hochsommer mit Auto und Kabine gilt: so früh wie möglich buchen. Die Fahrzeugplätze und Kabinen auf den Nachtfähren sind zuerst ausgebucht, spät zahlst du drauf oder gehst leer aus. In der Nebensaison ist der Druck kleiner. Wann Griechenland warm, aber noch nicht überlaufen ist, sortiert der Reisezeit-Finder, Mai, Juni und September sind der übliche Kompromiss (siehe warm im Mai und warm im September).
Ancona und Venedig passen für alle, die aus Deutschland kommen und die kurze Autostrecke bis zum Hafen der langen durch ganz Italien vorziehen, sie zahlen das mit vielen Stunden auf See. Bari und Brindisi passen für alle, die ohnehin in Süditalien unterwegs sind und eine kurze Überfahrt wollen. Nicht passend ist die Fähre generell für alle mit wenig Zeit: Wer nur eine Woche hat, verliert mit Hin- und Rückfahrt schnell zwei Tage auf dem Schiff, dann ist der Flug plus Mietwagen oft die klügere Wahl. Mobiles Internet an Bord und in Griechenland läuft am günstigsten über eine eSIM für Europa statt über Roaming.